Updates zur Negativkonvertierung: Capture One & FilmLab 3.5

|Jahan Saber

Wenn du schon eine Weile mit dem Kamerascannen zu tun hast, weißt du genau, was mit der „Konvertierungsverwirrung“ gemeint ist. Die Welt der Filmkonvertierung ist riesig und wächst ständig weiter – da gibt es zum Beispiel das Original Negative Lab Pro Plugin für Adobe Lightroom Classic, Filmomats SmartConvert, FilmLab (bisher nur für das Smartphone), CineStills CS Negative+ Convert für Adobe Lightroom Classic … die Liste lässt sich fortsetzen, und jeder hat seine ganz persönlichen Vorlieben, wie er seinen Film konvertieren möchte. Doch das Jahr 2026 hat uns eine massive Veränderung der Landschaft beschert.
Heute schauen wir uns zwei Schwergewichte an, die gerade die Spielregeln für VALOI und alle anderen, die Kamerascans verwenden, verändert haben: die nativen Negativkonvertierungstools in Capture One (v16.7) und das mit Spannung erwartete FilmLab 3.5 Beta.

Capture One: Das professionelle Kraftpaket

Zum ersten Mal hat Capture One einen speziellen Modus zum Konvertieren von Negativen direkt in seine RAW-Engine integriert. Kein umständliches Herumprobieren mehr und keine Invertierungs-Shortcuts, die Ihre Belichtungsregler durcheinanderbringen.

So funktioniert es

In „Workspaces“ kannst du nun die Option „Filmnegativ“ aktivieren. Der Zauber wirkt sofort und verwandelt deinen Arbeitsbereich in eine Zentrale für das Scannen von Fotos.

Es bietet:

  • Logische Steuerung: Im Gegensatz zur manuellen Inversion, bei der die Schieberegler umgekehrt wirken, ordnet Capture One die Engine neu zu, sodass das Bild durch das Verschieben des Schiebereglers „Belichtung“ nach rechts tatsächlich heller wird.
  • Das Neutralisierungswerkzeug: Es gibt ein neues Pipettenwerkzeug speziell für Filmaufnahmen. Klicken Sie auf einen neutralen Schatten oder eine Graukarte in Ihrem Bildausschnitt, und die RGB-Kanäle werden sofort ausgeglichen, um diesen hartnäckigen Orangestich zu beseitigen.
  • Tethered Magic: VALOI , die im „Tethered“-Modus (Kamera an Computer) scannen, können das positive Bild nun unmittelbar nach dem Auslösen auf ihrem Monitor sehen. Weitere Informationen zum Scannen im Tethered-Modus mit Capture One finden Sie hier. 

Das Fazit: Wenn Sie ein professioneller Fotograf sind, der Capture One bereits intensiv nutzt, macht dieses Update Ihren Arbeitsablauf unglaublich schnell und vielseitig. Es wirkt „digital-orientiert“ – klar, prägnant und präzise. Sie können Ihre Fotos und Scans nun an einem einzigen Ort bearbeiten. 

Wenn Sie jedoch noch keine Erfahrung mit dem Scannen von Fotos oder vielleicht mit der digitalen Bildbearbeitung im Allgemeinen haben, kann die Lernkurve bei einem Programm wie Capture One oder Adobe Lightroom Classic (mit dem Plug-in „Negative Lab Pro“) recht steil sein. Capture One ist ein vollwertiges Profi-Programm, was bedeutet, dass die gesamte Arbeitsumgebung fundierte Kenntnisse voraussetzt und daher für Anfänger möglicherweise nicht geeignet ist. 

FilmLab 3.5 (Beta): Die analoge Seele

Während Capture One den Film als ein zu lösendes Datenproblem betrachtet, behandelt FilmLab 3 ihn als Kunstform. Diese neue Beta-Version 3.5 basiert auf einer von Grund auf neu entwickelten Farbwissenschaft und ist, ehrlich gesagt, äußerst intuitiv.

Warum FilmLab so toll ist

FilmLab 3 „invertiert“ nicht einfach nur Pixel, sondern nutzt eine auf Dichte basierende Engine, die unter Mitwirkung ehemaliger Kodak-Wissenschaftler entwickelt wurde. Das Programm versucht nachzubilden, wie Licht tatsächlich durch ein Negativ fällt und auf RA4-Fotopapier trifft. 

  • Die neue Farbwissenschaft: Die Farben wirken ehrlicher und authentischer, ganz wie in der Dunkelkammer. Vor allem die Rottöne und Hautfarben strahlen eine Wärme aus, die sich mit einem handelsüblichen Bildbearbeitungsprogramm nur schwer nachbilden lässt.
  • Intelligenter automatischer Bildausschnitt: Die Beta-Version verfügt über ein deutlich verbessertes Tool zur automatischen Erkennung. Wenn Sie einen langen Filmrollenabschnitt scannen, kann FilmLab die einzelnen Bilder oft erkennen und automatisch drehen, wodurch Sie sich stundenlanges Klicken sparen.
  • Lichtquelle : Das ist ein riesiger Vorteil. Sie können spezifische Profile für LED-Panels mit hohem CRI auswählen, wodurch die Software genau weiß, wie sie das von Ihnen verwendete Lichtspektrum herausrechnen muss. Das bedeutet, dass jegliche Vignettierung ungleichmäßige Lichtverteilung dank intelligenter Software ausgeglichen wird. Verwenden Sie eine Lichtquelle Sie Lichtquelle ? Dann können Sie einen leeren Bildausschnitt nur von der Lichtquelle fotografieren Lichtquelle als neues Profil speichern.
  • Filmvoreinstellungen: Ich meine, was will man mehr? „Dieser Film ist Kodak Portra “ – und zack, liefert die Software Farben, die dem natürlichen Look des Films so nah wie möglich kommen. 

Das Fazit: FilmLab 3 ist sowohl für Analog-Puristen als auch für Einsteiger geeignet. Wenn Sie möchten, dass Ihre digitalen Scans ganz ohne großen Aufwand so aussehen, als wären sie in einer Dunkelkammer der 1970er Jahre entwickelt worden, ist dies das richtige Tool. Die Benutzeroberfläche ist äußerst benutzerfreundlich und erfordert nur sehr wenig Erfahrung in der Bildbearbeitung, um gute Scans zu erzielen. 

Fuji Pro 400H im 35mm easy35 v2, konvertiert mit FilmLab & Capture One

Aus diesem Vergleich geht hervor, dass FilmLab eine eher „analoge“ Farbwiedergabe bietet. Die Konvertierung erfolgte ohne weitere Anpassungen; alle Einstellungen waren auf „Auto“ gesetzt und die Voreinstellung „Fuji Pro 400H“ wurde ausgewählt. Capture One hingegen zeigt einen Grünstich, selbst nachdem mit dem Pipettenwerkzeug ein passender Grauton ausgewählt wurde. Es wurden der Boden, dann die Steinwand und schließlich einige andere graue Bereiche ausprobiert, aber bei keinem konnte ein ansprechendes Farbergebnis erzielt werden. Um die Capture One-Datei zu verbessern, wären weitere Feinabstimmungen und Farbkorrekturen erforderlich. 

Fazit

Software ist leistungsstark, aber sie ist nicht alles. Ganz gleich, ob Sie sich für die Präzision von Capture One oder die Seele von FilmLab entscheiden – Ihre Ergebnisse hängen letztendlich von der Qualität Ihrer Ausgangsdatei ab. Um das Beste aus diesen Tools herauszuholen, sollten Sie darauf achten, dass Sie einen vollkommen ebenen Filmstreifen eine gleichmäßige Lichtquelle mit hohem CRI verwenden Lichtquelle wie in unserem neuen easy35 v2).

Capture One wurde für Profis entwickelt, die einen straffen Arbeitsablauf benötigen. Es bietet vollständige kreative Kontrolle und ermöglicht es den Nutzern, selbst kleinste Details fein abzustimmen, um eine bestimmte Vision zu verwirklichen. Die monatliche Gebühr von 30 Dollar oder mehr könnte Gelegenheitsnutzer von Filmscannern abschrecken. 

FilmLab spricht sowohl Profis als auch Anfänger an. Es bietet eine schnörkellose Benutzeroberfläche, die das Konvertieren von Filmen zu einer effizienten und – man darf es ruhig sagen – unterhaltsamen Aufgabe macht. FilmLab kann monatlich (7,99 $) abonniert oder als lebenslange Mitgliedschaft (199 $) erworben werden.

Letztendlich wird der „Look“ eines Films zwar bis zu einem gewissen Grad von den Chemikern vorgegeben, die die Emulsion entwickelt haben, doch jeder Scan ist eine Interpretation. Wenn eine bestimmte Farbgebung, ein bestimmter Kontrast oder ein bestimmter Weißabgleich Ihren ästhetischen Ansprüchen entspricht, dann ist dies die richtige Wahl für Sie. Letztendlich bleibt die Fotografie auf wunderbare Weise subjektiv.


 

 

 

7 Kommentare

Guten Tag und vielen Dank für Ihre spannenden Informationen,
Der Artikel zeigt sehr gut, was die Software aus Farbnegativen machen kann, aber wie sieht es mit der Interpretation von Schwarz-Weiß-Negativen aus (zum Beispiel im Vergleich zu einem Abzug auf Fotopapier) und wie kann man sicherstellen, dass das Bild nach der Umkehrung in seiner ganzen Fülle und Bildtiefe zur Geltung kommt?
Vielen Dank, VitalMD

VitalMD

Soweit ich mich erinnern kann, hatten Fuji-Filme schon immer kräftige Farben, wobei besonders das Grün hervorstach. Es wäre interessant, in diesem Vergleich auch einige Negative anderer Marken zu sehen. Dennoch bin ich seit 2014 C1-Nutzer und bin damit zufrieden.

Rolf H. W. Rettberg

Das ist ein interessanter Vergleich. Meiner Meinung nach hat Film Lab die Nase vorn. Es wäre interessant zu sehen, wie es im Vergleich zu Negative Lab Pro abschneidet.

Marjan Krebelj

Das ist ein interessanter Vergleich. Meiner Meinung nach hat Film Lab die Nase vorn. Es wäre interessant zu sehen, wie es im Vergleich zu Negative Lab Pro abschneidet.

Marjan Krebelj

Hey, danke für diesen interessanten Vergleich. Wie immer muss also jeder seinen eigenen Favoriten finden. Da ich C1 bereits für meinen digitalen Workflow nutze, kommt diese Ergänzung gerade recht und ist sehr praktisch. Tatsächlich empfehlen sie, vor jeder weiteren Konvertierung zu beschneiden:
Viele Grüße, Bernhard

Bernhard

Hallo!
Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, den Negativfilm in C1 so zuzuschneiden, dass keine Ränder, Fingerabdrücke oder – im schlimmsten Fall – die Perforation im Invert-Workflow zu sehen sind!?
Chris

Chris

Vielen Dank für den informativen Artikel!
Wenn ich Film Lab verwende, kann die Kamera dann an den PC angeschlossen werden und ist der Scan sofort auf dem Bildschirm zu sehen? Welche Schritte sind im Arbeitsablauf erforderlich, vom Auslösen der Kamera bis hin zur Anzeige des Positivbildes des gescannten Negativs auf dem Bildschirm?
Ich bin Anfänger, habe aber vor einigen Jahren bereits etwas Erfahrung mit Valoi gesammelt

Jyrki Iivanainen

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